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Kleiner Leitfaden für die Jugendarbeit im Verein von Klaus Eschbach




Jugendarbeit ist in vielen Vereinen immer noch Nebensache. Bis heute blieb Jugendarbeit fast ausnahmslos Aufgabe einzelner, selbst boulebegeisterter Eltern. Auch ich hatte früher meinen Sohn immer mitgenommen, er hatte viel Spaß am Spiel und zeigte großes Talent. Leider war dies schon vor 10 Jahren - einer Zeit in der Jugendarbeit fast noch ein Fremdwort in der Bouleszene war. Da er in unserem Verein stets der einzige Jugendliche war, wechselte er mit 17 dann zum Handball über. Nicht deshalb, weil Handball für ihn die tollere Sportart war, sondern vielmehr deshalb, weil er dort in einer netten Gruppe gleichaltriger war. Ein Element im Sport, was man nicht unterschätzen sollte.
Eine gute Jugendarbeit aber war und ist für mich die Basis für eine kontinuierliche Weiterentwicklung eines Vereines. Daß Boulespieler, die schon als Kind mit dieser Sportart begonnen haben ganz anderes Ballgefühl, eine ganz andere Motorik und Technik entwickeln, kann man derzeit überall auf großen deutschen Turnieren sehen und es gibt keine DM mehr, in der nicht reine Jugendmannschaften, sogar Cadets, die Quali geschafft haben und erfolgreich mitmischen.
Und noch etwas sollte man nicht vergessen: ein Verein, der eine gute Jugendarbeit betreibt, hat bessere Karten gegenüber einer Gemeinde- oder Stadtverwaltung, wenn es um spezielle Anliegen, Platzerweiterungen o. ä. geht. Auch das Echo in den örtlichen Medien ist oftmals größer bei Jugendlichen als bei Erwachsenen.



Interesse wecken - aber wie ?

Was aber tun, um Kinder für unseren Sport zu interessieren. Es ist nicht schwer das Interesse der Kinder zu wecken, aber es ist sehr schwer, an die Kinder "ran" zu kommen. Die besten Erfahrungen haben wir bei uns mit der Kooperation Schule - Verein gemacht. Dies ist eine enge Zusammenarbeit, die bei uns in Baden-Württemberg auch von den Sportbünden gefördert und sogar finanziell unterstützt wird. Die nachfolgende Auflistung soll die Maßnahmen, mit denen ich bisher Erfahrungen gesammelt habe, mit ihren Vor- und Nachteilen zeigen.


Kooperation Schule - Verein

Damit habe ich jetzt seit 4 Jahren die besten Erfahrungen gemacht - vorausgesetzt man findet einen interessierten Ansprechpartner an der Schule.

Vorteile:
- Intensive Zusammenarbeit mit der Schule über das ganze Schuljahr
- viele Aktionen möglich
- gefördert durch die Sportbünde
- schon mit sehr jungen Kindern möglich

Nachteile:
- sehr zeitintensiv für den Verein
- ohne guten Motor oder Integrationsfigur kann die Sache schnell einschlafen.


Schulaktionen, Abschlußfeste

Vor allem kurz vor den Sommerferien gibt es an den Schulen viele Möglichkeiten, bei Schulfesten, Sporttagen, Eltern-Schüler-Veranstaltungen unseren Sport zu präsentieren.

Vorteile:
- weniger Zeitaufwand, da eintägige Veranstaltungen, meist an einem Nachmittag
- großes Interesse der Schüler und Eltern.

Nachteile:
- wenig Zeit, um effektiv für Anfänger etwas rüberzubringen.


Sport AGs

Wenn erst mal erste Kontakte zu einer Schule bestehen, gibt es oft auch die Möglichkeit, Boule in einer Sport AG anzubieten und zu lehren.

Vorteile:
- intensive Möglichkeit, über längere Zeit hinweg Interesse zu wecken
- Entdeckung und spezielle Förderung von Talenten

Nachteile:
- sehr zeitintensiv
- sehr stark abhängig von der präsentierenden Person.


Go-sports-Veranstautngen

In Baden-Württemberg werden von den Sportbünden in Zusammenarbeit mit Sponsoren (Krankenkassen u. ä.) gemeinsame Sport-Präsentationen speziell für Jugendliche angeboten.
Vorteile:
- 2-Tages-Veranstaltung mit interessierten Teilnehmern
- große Beachtung in den Medien
- gutes Publikumsinteresse
Nachteile:
- Boule muß sich behaupten gegen viele Trends oder In-Sportarten
- oft kein gutes Platzangebot oder zu abseits


Zusammenfassend sei gesagt, daß die Jugendarbeit um so effektiver ist, je früher damit begonnen wird. Kinder in der 3. Grundschulklasse sind noch nicht so festgelegt und viel besser zu begeistern als Schüler der 6. und 7. Klassen. Allerdings ist die Arbeit mit Kindern im Alter von 8 bis 9 Jahren kein leichtes Unterfangen, das man mal schnell so nebenbei im Training abwickeln kann. Die Kinder spüren sehr schnell, ob es der oder die Trainer/in ernst meint und voll bei der Sache ist.


Eine harte persönliche Entscheidung

Dies ist vielleicht einer der wichtigsten Gründe, weshalb Jugendarbeit in vielen Vereinen vernachlässigt wird: wer sich um die Kids kümmert, muß sehr oft auf eigenes Spielen verzichten, muß bereit sein, immer ein offenes Ohr für die kleinen und großen Sorgen zu haben. Allerdings macht es auch große Freude zu beobachten, wie die Arbeit langsam aber sicher auch Früchte trägt, wie aus den ersten ungelenken Kugelwürfen jetzt schöne Portées oder saubere Au-fer-Schüsse geworden sind.

Ich möchte alle Verantwortlichen in den Vereinen und auf Landesebene ermuntern, ihre oft schwere Arbeit mit Elan fortzuführen, sich untereinander auszutauschen und gute Ideen weiterzugeben.

Nachfolgend ein wenig Know-How für alle, die sich um eine intensivere Jugendarbeit kümmern möchten.

Voraussetzung für alle späteren Aktivitäten ist es, zunächst einmal eine Möglichkeit zur Präsentation unseres Sports an einer Schule oder einer Sportveranstaltung zu bekommen. Wir haben damals alle Schulen am Ort angeschrieben, nur kurz vorgestellt und die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit erörtert. Von den 4 angeschriebenen Schulen sind die Grund- und Hauptschule und die städtische Realschule auf unser Angebot eingegangen.

Aber auch die beiden anderen Schulen meldeten sich später für je eine Präsentation am Sporttag und beim Schulfest. Mit den beiden erstgenannten Schulen arbeiten wir jetzt seit 4 Jahren fest zusammen. Das ganze beginnt in der 3. Grundschulklasse. Jedes Jahr dürfen die Kinder mit ihren Lehrern an einem Vormittag zu uns auf den Platz kommen. Wir haben dann für jede Klasse 2 Unterrichtsstunden Zeit, unseren Sport und unseren Verein zu präsentieren. Dies muß für die Kids sehr interessant gemacht werden.



Der erste Kontakt mit Boule

Ich erzähle zunächst etwas über Frankreich und die bekannten Urlaubsbilder der spielenden Franzosen. Vor allem die Entstehung des Pétanque und die Geschichte um den ischiasgeplagten Jules le Noir lassen sich mit ein wenig Schauspieltalent den Kleinen eindrucksvoll vermitteln.


Flach, halbhoch, hoch

Viele Kinder waren schon in Frankreich und haben oft schon dort Boulespieler gesehen. Als nächstes gibt es Information über Boule bei uns, über den Verein und dann über das Spiel selbst. Dann wird die richtige Kugelhaltung gezeigt und demonstriert, was die Kugel macht, wenn sie mit offener Hand, flach, halbhoch oder hoch gespielt wird. Großes Gelächter gibts immer wenn zum ersten Mal die "Sau" erwähnt wird oder etwa ein Biberon. Solche Kleinigkeiten bleiben hängen.

Dann demonstrieren wir vor der interessierten Klasse 3 bis 4 Aufnahmen, zeigen wie wichtig es ist, vorne zu bleiben und was passiert, wenn auf liegende Kugeln gespielt wird. Und dann muß unbedingt geschossen werden. Und wenn's gar ein Careau sur Place wird gibt's spontan Applaus und die Kinder machen große Augen.

Nach ca. 10 Minuten Theorie und Vorführung ist dann für die Kleinen der große Augenblick gekommen. Es werden Mannschaften gebildet und alle erhalten Kugeln und Cochonets und dürfen spielen. Ich habe das Glück, daß in unserem Verein immer ein paar Aktive Zeit finden, (sei es durch eine günstige Schicht, als Renter oder 'Nur-Hausfrau') jeweils eine Gruppe zu übernehmen und bei allen Fragen helfend bereit zu stehen.

Es ist jedesmal eine wunderbare Erfahrung für mich, mit welcher Freude die Kleinen bei der Sache sind. Da wird in die Höhe gesprungen oder lautstakr applaudiert bei einem guten Wurf - auch wenn es gerade der Genger war. Bei genauem Hinsehen sieht mann auch sehr schnell, daß manche Kinder eben ein besonderes 'Händchen' haben und am liebsten würden alle gleich als Tireur auftreten.


Ende, gut alles gut

Die letzten 10 Minuten rufe ich dann alle Kinder nochmals zusammen. Ich erzähle von unserem Verein, von den Trainingszeiten und frage, wer Lust hat zu kommen. Als Erinnerung bekommen dann alle noch ein auf ihren Namen ausgestelltes Faltblatt mit den Regeln und allem Wissenswerten über Boule. Interessenten können gerne ein Musterexemplar als Kopiervorlage bei mir anfordern.

Wenn der nächste Trainingsabend kommt, wird es spannend. Sind es 10 die kommen oder keiner - in diesen Grenzen bewegt sich der Zustrom meistens. Vor 4 Jahren bei unserer ersten Aktion waren es 8, 5 davon sind bis heute dabei geblieben. Damit sie aber dabei bleiben, muß einiges getan werden. Ein paar Ideen hierzu nachfolgend.



Kinder wollen Action

Kinder möchten spielen. Boule allein ist dazu, vor allem für kleinere, zu wenig. Am Anfang zu wenig Action, zu wenig Bewegung. Also braucht man eine Mischung aus Boule und anderen Bewegungsspielen. Natürlich sind die Kugeln überall mit dabei. Aber es sollte am Anfang wirklich locker und spielerisch zu gehen. Am besten beginnt das Training mit einer kleinen Gymnastik-Einheit. Dadurch können sich die Kleinen gleich bewegen und sie werden viel schneller ruhig und konzentriert. Es gibt viele Übungen, die jeder von anderen Sportarten kennt, die man mit Kugeln in den Händen ebenfalls ausführen kann, z. B.

  • Handgelenks-Lockerungsübungen (Kugeln in der Hand, nach oben und nach unten drehen)
  • Armlockerungsübungen (Kugeln in der Hand, Arme strecken, beugen, baumeln lassen, lockern)
  • Hüftdrehungen (besser ohne Kugeln)
  • Kniebeugen u.v.a.m.

Eine Lieblingsübung ist bei Kids immer wieder dies: alle stehen im Kreis. Arme waagerecht ausgestreckt, Hände nach unten jeweils eine Kugel halten. Jetzt zählt jedes der Kinder nacheinander von 1 bis 10 bis jeder in der Runde einmal dran war. Da gibt es welche, die in 3 Sekunden von 1 bis 10 zählen, andere dehnen die Zählerei aus und genießen die Anstrengung, die die Übung den anderen bereitet. Für diese Gymnastik reichen 5 bis 10 Minuten. Das restliche Programm richtet sich nach dem Können der Kinder.



Gutes Legen ist die beste Basis

Bei Anfängern sollte viel Wert auf richtiges legen gelegt werden. Das ganze beginnt mit der richtigen Haltung des Körpers und der Kugel. Kontrollieren Sie, ob die Kleinen locker im Kreis stehen. Vermeiden Sie Kniebeugen wie beim Kegeln. Zeigen Sie, wie locker die Kugel in der Hand liegt. Wiederholen Sie dies immer wieder, auch wenn Sie denken es sitzt schon gut. Und vor allem schauen Sie den Kindern genau zu und korrigieren Sie sofort, wenn sich wieder Nachlässigkeiten einschleichen.

Erklären Sie den Kindern wie wichtig es ist, den richtigen Armschwung einzuhalten, daß die Kugel über die Fingerkuppen abrollt. Denken Sie daran, daß vieles was für alte Hasen selbstverständlich ist, den Kleinen erst langsam beigebracht werden muß. Auch hier gilt: kleine Fehler gleich korrigieren und denken Sie immer daran, daß die Kinder Ihr Spiel und Ihre Technik immer genau beobachten. Zwingen Sie sich also stets dazu, vorbildlich in Technik (und später in Taktik) zu sein.

Verlangen Sie am Anfang nicht zuviel begnügen Sie sich am Anfang mit dem einfachsten Wurf: einer Halbportee. Ich sage immer Kugel in 'Nasenhöhe' locker aus der Hand, kurz hinter der Distanz zur Sau aufkommen und Kugel ruhig ausrollen lassen. Erst wenn dies gut klappt - und wirklich erst dann - sollten die anderen Techniken geübt werden. Denn wenn die Halbportee einigermaßen gut sitzt, haben die Kinder bei ihren Spielen, die in jedem Training zum Schluß gespielt werden, erste Erfolge und dadurch wieder neue Energie für die nächsten Übungen. Und zusätzlich kann man bei dieser Wurftechnik sehr gut Wurfkorrekturen demonstrieren und ausführen.



Jetzt geht's Los

Wenn Haltung im Kreis, Kugelhaltung und eine Wurftechnik zufriedenstellend sind, wird es interessant, die ersten Spiele zu machen. Schauen Sie zwar auf die Einhaltung der Regeln aber penetrieren Sie diese am Anfang nicht zu sehr. Das kommt später fast automatisch und macht dann mehr Spaß, als zuviele Vorschriften gleich am Anfang.

Nun haben die Kleinen also ersten Boulewind geschnuppert, sind vielleicht sogar schon etwas infiziert vom Boule-Virus. Aber jetzt steht der Winter bevor, der vielleicht bei uns im Süden wesentlich boulefreundlicher ist als nördlich des Mains. Aber dennoch gibt es dann Trainingsabende oder -nachmittage, an denen nichts mehr geht. Was tun. Per Telefonkette absagen wäre das einfachste, aber die Gefahr, daß das gerade aufgebaute Interesse ganz schnell abflaut, ist doch sehr groß.


Mit etwas Phantasie kommt man dennoch gut über den Winter. Hier ein paar Möglichkeiten, die uns viel Spaß machten und die kleine Gruppe gut zusammenhielt und sogar festigte - ohne eine Kugel in der Hand zu haben:

Schneewandern Ein einfacher Spaziergang durch den Schnee, eine lustige Schneeballschlacht, macht allen Spaß.

Kegelabend Man vertauscht die Boulekugeln mit der Kegelkugel. Kinder nehmen das Angebot begeistert auf.

Regelkunde Man trifft sich an einem warmen Ort und redet über die Regeln. Aber bitte nicht nur trockene Theorie - in Form eines Quiz oder eines Spiels, bei dem es etwas zu gewinnen gibt, werden alle begeistert mitmachen.

TV Ein Clubkamerad, der den französischen Canal + gut empfangen hat, stellte mir Vidoeaufnahmen von den Turnieren zur Verfügung. Die Kinder waren begeistert, diese Spiele ansehen zu können. Sie bewunderten die Perfektion, mit der diese 'Fernsehstars' ihre Kugeln plazierten oder gegnerische schossen.

Geselligkeit Natürlich macht es auch mal Spaß nur gemütlich beisammen zu sitzen, eine Cola oder Schoki zu trinken. Und dann kann ja noch der Nikolaus kommen, eine kleine Weihnachtsfeier, eine lustige Fasnachtsparty - und schon ist der Winter vorbei.

Und dazwischen gibt es immer wieder Tage, an denen man auch im Winter die Kugeln zur Hand nehmen kann. Auf jeden Fall ist es sehr wichtig, daß die Kinder sich immer wieder sehen und eine Art Gruppengeist aufgebaut wird. Denn in der Zwischenzeit sind die Kinder sicher schon so weit, daß größere Boule-Aufgaben angepackt werden können.



Trainingsideen und -spiele

Wie schon zuvor erwähnt, ist es besonders wichtig, die Trainingsstunden für Kinder abwechslungsreich zu gestalten: Gymnastik und Auflockerung, Lege- und Schießübungen sowie sonstige Wurfspiele im bunten Wechsel. Und vergessen Sie nie, gute Leistungen zu loben - vielleicht auch mal mit einem Eis oder einem Getränk.

Legeübungen
Da ich diese Zeilen nicht für Bouleanfänger schreibe, gehe ich einmal davon aus, daß ich hier nicht auf die richtige Haltung des Körpers und der Kugeln, auf Armschwung und Aufsetzpunkt, auf den Eigenschuß oder den Flachschuß spieziell eingehen muß. Dafür gibt es genügend Literatur. Ich möchte hier lediglich ein paar spezielle Übungen und kleine Spiele beschreiben, die Kindern bis jetzt immer gefallen haben.

Von flach bis hoch
Diese Übung zeigt auf einfachste und anschaulichste Weise das Verhalten der Kugel bei den verschiedenen Wurfstilen. Zeichnen Sie im Abstand von ca. 4,5 m einen ca. 40 cm großen Kreis als Donnée. Jeder Spieler spielt die erste Kugel als gerollte, die zweite als Demi-portée und die dritte als Portée. Beobachten Sie zusammen mit den Kindern das Kugelverhalten. Als Abwandlung zu dieser Übung können Sie das ganze im Hocken üben, verlegen Sie dazu aber den Donnée-Kreis einen Meter näher an den Wurfkreis. Zum Schluß können Sie ein Cochonet auf ca. 7 bis 8 m legen und jedes Kind soll, vor jedem der drei verschiedenen Wurfarten sein Donnée selbst wählen und mit einem Kreis auf dem Boden markieren. Vergessen Sie nicht, jeden Wurf zu kommentieren!


Nase vorn
Mit dieser Devant-Übung soll gezeigt werden, wie 'wertvoll' eine Kugel vor dem Cochonet ist. Das Cochonet liegt auf 5 bis 6 m. Zeichnen Sie vor das Cochonet eine trapezförmige, unterteilte Fläche von ca. 20 x 80 cm (siehe Skizze). Die Kinder versuchen in den verschiedenen Wurftechniken (bitte die Technik nicht nach jeder Kugel ändern) möglichst gut zu plazieren. Dafür gibt es je nach Güte des Wurfes Punkte. Gewonnen hat, wer nach sechs Durchgängen (je Wurftechnik 2x) die meisten Punkte hat. Eine Variante dazu: bleiben Sie bei einer Wurftechnik und verlängern Sie von Durchgang zu Durchgang die Entfernung von 5 bis 8 Meter.


Zielscheibe
Auch dies ist eine interessante Legeübung und für alle Wurftechniken geeignet. Das Cochonet liegt auf 5 bis 6 m. Zeichnen Sie um das Cochonet vier Kreise, deren Radien jeweils 20 cm größer sind und die, wie es die Abbildung zeigt, im Mittelpunkt versetzt sind. In jedem Kreis gibt es, je nach Güte, Punkte zu gewinnen. Machen Sie mehrere Durchgänge in den verschiedenen Techniken auf eine Distanz, oder in einer Technik auf verschiedene Distanzen.


Kreis-Stafette
Dies war und ist bei meinen Kindern eine der beliebtesten Übungen, da zur konzentrierten Legetechnik ein spielerisches Element dazu kommt. Für diese Übung nehmen Sie am besten den ganzen Platz. Teilen Sie die Kinder in zwei Mannschaften. Zeichnen Sie auf den Platz für jede Mannschaft einen Parcours aus ca. 60 cm großen Kreisen in unterschiedlichen Entfernungen (5 bis 9 m). Dabei kann ruhig mal ein Hindernis zwischen zwei Kreisen liegen (siehe Skizze). Der erste Spieler der einen Mannschaft beginnt und versucht, die Kugel in den nächsten Kreis zu legen. Hat er es geschafft, darf er oder sie bis zu diesem Kreis vorrennen. Wer also super legt, kann mit seinen 3 gespielten 3x vorrücken. Dann kommt der erste Spieler der gegnerischen Mannschaft dran. Und so geht es abwechselnd bis alle Spieler einer Mannschaft den gesamten Parcours geschafft haben (wenn er kurz ist, kann man hin und zurück spielen). Dazu gibt es eine Schnell-Variante, die bei den Kindern noch beliebter ist. Sobald ein Spieler einer Mannschaft die Kugel in einem Kreis plaziert hat, darf die ganze Mannschaft vorrücken. Und das ist für alle immer ein Riesengaudi!


Familientreffen
Auch hier ein Gruppen-Legespiel, besonders geeignet um auf lange Distanzen konzentriertes Legen zu fördern. Bilden Sie Mannschaften mit ca. 5 bis 6 Spielern (= Familien). Das Cochonet liegt auf der für die Alterstufe höchsten Entfernung. Jeder Spieler einer Mannschaft hat eine Kugel und versucht, möglichst gut zu plazieren (Sie können dabei die Wurftechnik vorgeben). Haben alle Spieler einer 'Familie' alle Kugeln gespielt, kommt die nächste Gruppe dran. Sind alle Kugeln gespielt, stellt sich jedes Kind zu seiner Kugel, wie es die Abbildung zeigt. Dann versuchen die Kinder sich die Hände zu reichen. Falls ein Kind so weit weg gelegt hat, daß es in seiner Familie keine Hand mehr zu fassen bekommt, scheidet es für diese Runde aus. Sieger ist die Mannschaft, die nach sechs Runden noch die meisten Familienmitglieder hat.

Kerzengerade
Diese Übung entlarvt sehr gut Fehlhaltungen der Hand, vor allem bei der gerollten und halbgetragenen Kugel. Sie brauchen ein möglichst ebenes, hartes Geländer oder sehr gut ist auch eine ebene geteerte Fläche/Straße (ohne Autos). Zeichnen Sie mit einem Stock oder einer Kreide (bei der Straße) eine ca. 10 m lange, kerzengerade Linie. Lassen Sie die Kinder die Kugel werfen und dabei auf der Linie aufsetzen. Die Kugel soll möglichst weit genau auf der Linie rollen (bitte keine Raclette-Schüsse).



Weitere Legespiele, die Spaß machen

Der Kreis ist heiß
Dieses Spiel kann einzeln oder in Mannschaften gespielt werden. Zeichnen Sie einen Kreis mit 2 m Durchmesser auf den Boden. In die Mitte kommt das Cochonet. Ziehen Sie im Abstand von 2 bis 8 m eine Linie (siehe Abbildung). Jedes Kind hat drei Kugeln und beginnt bei zwei Metern. Ziel ist es, die Kugel so zu legen, daß sie im Kreis aufkommt und nicht über den Kreis hinaus läuft. Hat es bei einer Distanz geklappt, wird zur nächstweiteren gegangen. Wer zuerst bei 8 m erfolgreich plaziert hat, hat gewonnen. Die Kinder entdecken bei dieser Übung sehr schnell, daß mit jeder weiteren Entfernung der Wurf automatisch zur Portée werden muß.


1 - 2 - oder 3
Ein Legespiel für Gruppen von 4 bis 5 Kindern. Gespielt wird von der kleinsten bis zur größten Entfernung für jede Altersgruppe (im Beispiel unten für Cadets). Im Abstand von 5, 6, 7, 8 und 9 Metern zur Zielkugel werden Striche auf dem Boden markiert. Die Spieler einer Gruppe versuchen nacheinander jeweils die erste Kugel bestmöglich zu legen. In der zweiten Runde beginnt der Spieler mit der am schlechtesten plazierten Kugel, desgleichen in der dritten Runde. Dann wird gezählt wie beim richtigen Spiel. Es werden also 1 bis 3 Punkte pro Durchgang vergeben. Die zweite Runde wird dann von der nächsten Entfernung gespielt usw. bis zur größten Entfernung. Gewonnen hat der Spieler mit der höchsten Punktzahl (war eigentlich unnötig zu sagen). Auch hierzu gibt es eine Variante: Man spielt mit einer Kugel und jeweils der Sieger der Runde darf zur nächstweiteren Entfernung rücken. Sieger ist der oder die Spielerin, die zuerst auf der größtmöglichen Distanz angekommen ist.


Aus - und - tot
Dies ist eine Legeübung, die Anfänger noch überfordert, Fortgeschrittene aber zu Höchstleistungen herausfordert. Zugrunde liegt eine typische Spielsituation. Der Gegner hat mit seiner letzten Kugel das Schweinchen mitgeschleppt. Es liegt jetzt 10 cm vor dem Aus, die Gegnerkugel ca 1 m direkt davor (siehe Skizze). Ziel ist es, mit den 3 verbleibenden Kugeln möglichst viele Punkte zu machen. Variieren Sie dabei die Entfernungen in jedem Durchgang. Bemerkung: Bei Kindern, die schon länger Boule spielen, können sich nach jeder Kugel freistellen, ob gelegt oder geschossen wird.


Jetzt geht's hoch her

Dies waren alles kleine Übungen oder Spiele, die größtenteils für alle Wurftechniken gelten. Nachfolgend ein paar Ideen zur Übung der Portée oder Hochportée (Plombée).

Spiel über das Seil
Ein gutes Hilfsmittel, um den Arm hochgenug zu bekommen, ist ein Absperrband aus Plastik, das in 2 bis 2,5 m Höhe über den Platz gespannt wird. Im Abstand von ca. 2 m wird der Wurfkreis gezeichnet. Die Kugel soll zunächst locker über die Absperrung geworfen werden. Mit zunehmender Sicherheit kann dann auf der anderen Seite eine Zielkugel hingelegt werden um so den Schwung genau zu dosieren (siehe Abbildung).


Spiel über den Balken
Ein anderes gutes Hilfsmittel ist ein Balken oder Rundholz. Legen Sie es etwa 4 m entfernt vom Kreis und auf etwa 7 m das Cochonet. Verringern Sie von Runde zu Runde den Abstand zwischen Balken und Cochonet, bis zum Schluß nur noch 1 m Abstand ist. So werden die Spieler gezwungen, die Kugel extrem hoch zu werfen (siehe Abbildung). Anmerkung: Wenn Sie die Hochportée üben lassen, weisen Sie bitte darauf hin, daß hier eine andere Wurftechnik zur Anwendung kommt: Die Wurfhand hängt locker ganz nach unten, mit einem Schwung, der aus den Knien kommt, geht die Hand nach oben und erst über Kopfhöhe verläßt die Kugel die Hand über die Fingerspitzen (siehe Abbildung).


Spiel in den Reifen
Das dritte gute Hilfsmittel zur Hochportée-Übung ist ein alter Autoreifen. Beginnen Sie mit einer Entfernung von 4 m. Am besten gelingt diese Übung in Verbindung des unter 0.0 schon erwähnte Absperrbandes. Wenn die Kugel gut geworfen wird, bleibt sie im Reifen liegen. Zu flache Kugeln springen gerne auf den Rand oder wieder aus dem Reifen heraus.
Noch eine Randbemerkung: In der Nähe unseres Platzes gibt es ein Kleinspielfeld mit einer etwa 6 m hohen Umzäunung. An so einer Umzäunung läßt es sich auch gut üben.Die Bespannung ist in 4 Bahnen angelegt, die deutlich zu sehen sind. Wenn die Kugeln im richtigen Bogen gegen diese Wand geworfen werden, dürfen Sie maximal 1 m zurückprallen - ansonsten stimmt der Bogen nicht (siehe Abbildung). Sicher haben Sie selbst noch genug eigene Ideen, um immer wieder variieren zu können.
Nach den Hochportée-Übungen lasse ich gerne ein spezielles Boule-Spiel machen, das gleich viele Anwendungsmöglichkeiten bietet. Es ist im Prinzip ein ganz normales Boule-Spiel - nur darf nicht geschossen werden. Auf Kugeln, die man normalerweise schießen würde, soll ein Hochportée gelegt werden, um so den oder die Punkte zu machen. Ganz schön schwierig und wirklich nicht für Anfänger gedacht.
Schießübungen
Wenn die Kinder einigermaßen sicher im Legen geworden sind, sollten sie mit den ersten Schießübungen beginnen. Die Kleinen warten sicher schon ganz ungeduldig darauf. Ich möchte auch hier nicht über die Technik referieren, sondern wieder ein paar nützliche Übungen, vor allem für Anfänger, aufzeigen



Erste Schieß-übungen

Die ersten Übungen mache ich immer ohne direktes Ziel. Wichtig ist dabei nur der richtige Armschwung. Die Kinder sollen spüren wie die Kugel fliegt, wie sie den Flug verändert, wenn die Hand zu früh oder zu spät geöffnet wird. Lassen Sie die Kleinen ruhig mal "ballern", sorgen Sie für genügend Abstand zueinander und korrigieren Sie Fehler sofort, damit sich gar nicht erst ein schlechter Schußstil einschleichen kann. Wenn Armschwung und Flugbogen langsam konstant werden, kommt die nächste Übung dran. Hierbei hilft wieder der schon vorher erwähnte Autoreifen.


Schuß in den Autoreifen
Legen Sie den Reifen flach auf den Boden und lassen Sie die Kinder auf 5 bis 7 m in die Öffnung des Reifens schießen. Auf diese Entfernung ist die Öffnung für die Anfänger nicht zu groß, die meisten Kugeln werden auf den Rand auftreffen und von dort wegspringen. Also, Sicherheitsabstand halten.
Diese Übung hilft vor allem, die richtige Distanz herauszufinden. Die nächste Übung soll helfen, die Richtung zu halten. Ein gerader Schuß, auch wenn er vielleicht mal zu kurz gerät, hat schon oft die Kugel trotzdem „weggeschrabbt“.


Schuß auf den Balken
Wir benötigen für die Übung ein Kantholz oder einen Balken von 10 bis 15 cm Kantenlänge und einer Länge von 40 bis 50 cm.
Beginnen Sie bei 5 m Entfernung mit Schüssen auf das senkrecht stehende Holz. Wenn Sie mehrere Hölzer haben, können Sie mit den Kindern Gruppen bilden, wobei die eine Hälfte schießt, die andere Hälfte bei Treffern die Hölzer - wie Kegeljungen früher - wieder aufstellen. Wenn Sie das alles allein machen wollen, kommen Sie kaum noch dazu, die Schußtechnik zu beobachten und gegebenenfalls zu korrigieren.


Schuß auf den Ball
Das Ziel wird immer kleiner und ist doch noch größer als die eigentliche Kugel. Der Ball sollte etwa die doppelte Größe einer Kugel haben.
Beginnen Sie mit kurzen Entfernungen und steigern Sie diese nur langsam und erst dann, wenn schon eine 50%ige Trefferquote zustandekommt.


Schuß auf die Kugel
Jetzt sollten Sie den Kleinen den Schuß auf eine Kugel nicht mehr vorenthalten. Daß trockene "Klack" bei einem Treffer ist auch für Kinder Musik in den Ohren.
Aber beginnen Sie nicht mit dem Schuß auf eine einzelne Kugel. Legen Sie drei Kugeln nebeneinander und lassen Sie die mittlere schießen. Wenn eine äußere getroffen wird, ist dies nicht schlimm. Die Kleinen freuen sich, wenn überhaupt getroffen wird. Als nächstes können Sie die drei Kugeln in einer Reihe, aber schräg legen, dann im Dreieck, hintereinander usw. Bestimmen Sie aber vor jedem Schuß, auf welche Kugel gezielt werden soll, es soll nichts dem Zufall überlassen werden. Und machen Sie den Kleinen immer wieder klar, daß nur üben und immer wieder üben zum Erfolg führt.

Bei einem Turnier in Zürich spielten wir einmal gegen die Schweizer Meister. Durch ein wenig Glück lagen wir sogar 6:4 vorne - aber das war dann auch alles. Nach dem Spiel konnte ich mich noch gut eine halbe Stunde lang mit dem Schießer unterhalten. Er hat mir damals erklärt, daß mein Schuß viel zu hart sei - und viel zu flach. Mit einem Stöckchen zeichnete er die optimale Flugbahn auf den Boden und machte mir klar, daß die Kugel allein durch ihr Fallgewicht die Gegnerkugel wegbringt. So entstehen übrigens auch viel mehr Carreaux oder Palets. Was mich aber am meisten beeindruckte war seine Bemerkung:"Ich spiele seit meinem 12. Lebensjahr. In der Schule in der Pause und auch später in der Arbeitspause. Ich habe schon Tonnen von Eisen bewegt!" Also üben, üben, üben ...


Schießideen

Auch beim Schießen gibt es gute Übungen, die eher Spiele sind als nur trockene Übungen und deshlab wesentlich besser ankommen. Hier einige Beispiele:


Sauerei
Eine Schießübung, die zwei Spieler gegeneinander oder zwei Mannschaften gegeneinander austragen. Bei Minimes gelten die Entfernungen 4 bis 8 m, Cadets 5 bis 9 m und Juniors 6 bis 10 m. Das nachfolgende Beispiel also für Juniors gedacht: Zeichnen Sie für jede der beiden Mannschaften einen Wurfkreis und legen Sie im Abstand von 6 m eine Kugel, ca. 50 cm versetzt und 7 m entfernt die nächste. Auf die Entfernung von 8 m kommt ein Cochonet, ebenfalls seitlich versetzt, dann auf 9 und 10 m wieder Kugeln. Dahinter im Abstand von 2 m wird eine Linie gezogen. Die Skizze zeigt den Aufbau. Jetzt kann's losgehen. Es wird immer abwechselnd geschossen, egal ob ein Spieler oder eine Gruppe. Der erste Spieler schießt auf 6 m, der Gegner ebenfalls. Wer trifft darf auf die nächste Distanz. Als Treffer gelten Kugeln, die die 2-m-Linie überschreiten. Bei 8 m beginnt dann die "Sauerei". Da es für viele, und nicht nur Anfänger, sehr schwierig ist die Sau zu treffen darf hier auch ausnahmsweise geraffelt werden. Und noch eine Ausnahme. Wenn ein Spieler oder eine Mannschaft in sechs Schüssen immer noch nicht getroffen haben, dürfen sie trotzdem auf die 9 m schießen. Gewonnen hat, wer zuerst die 10-m-Kugel getroffen hat.


Treibjagd
Ein lustiges Spiel mit Bewegung über den ganzen Platz - vor allem als Mannschaftsspiel beliebt. Dieses Spiel geht über den ganzen Platz. Wenn mehrere Spielfelder durch Balken o. ä. abgegrenzt sind, sind dies Stoppunkte, von denen wieder neu weitergespielt wird. Zunächst wird für jede Mannschaft eine Kugel auf mittlere Distanz gelegt. Der erste Spieler von Mannschaft A macht einen Schuß. Bei einem Loch ist Mannschaft B mit ihrem ersten Spieler dran. Bei einem Treffer darf die gesamte Mannschaft so weit vorrücken, daß die Kugel wieder auf die anfängliche, mittlere Distanz liegt, d.h., wenn die Kugel 5 m geht, rückt die ganze Gruppe 5 m weiter usw. Kugeln die seitlich ins Aus gehen werden in 1 m Abstand an der Überschreitungsstelle wieder ins Feld zurückgelegt. Es wird also immer abwechselnd gespielt über das ganze Feld und wenn nötig wieder zurück, je nach örtlichen Verhältnissen. Bei Bouleplätzen mit festen Abgrenzungen wird bis zu diesem Hindernis gespielt, wenn die Kugel anschlägt geht es im nächsten Feld weiter oder wieder in die Gegenrichtung zurück. Für die Wertung gibt es zwei Möglichkeiten. Gewonnen hat entweder die Mannschaft, die (oft mit einem Glücksschuß) zuerst am Ziel ankommt oder aber die Mannschaft, die mit den wenigsten Schüssen die Kugel ins Ziel treibt (also konstanter schießt).

Carreau!
Dies ist eine Übung, bei der die Carreau-Quote gesteigert werden soll und gleichzeitig, dank der geringen Distanzen, daß Schießen in Sitzen geübt wird. Diese Übung kann auch gut allein ausgeführt werden oder eben als Mannschaftsspiel. In einem Kreis von 30 bis 40 cm wird in die Mitte eine Kugel gelegt. Im Abstand von 2, 3, 4, 5 und 6 m werden Linien gezogen. Bei zwei oder mehr Spielern wird abwechselnd geschossen. Gewertet werden Kugeln, die die liegende Kugel aus dem Kreis befördern, selbst aber im Kreis liegen bleiben, also nur Carreaux, gute Palets oder Retros. Nach jedem Punkt wird die Distanz gesteigert, wer das erste 6-m-Carreau hat, hat gewonnen. Dank der kurzen Distanz, kann hier das Schießen im Sitzen hervorragend trainiert werden, eine Schußtechnik, die bei uns auf kurze Distanzen viel zu wenig angewendet wird. Positiver Nebeneffekt: gute Gleichgewichtsschulung, die auch beim Legen Vorteile bringt.

Petit Port
Auch ein Spiel auf ganz geringe Distanz, das in der Provence sehr gern (um Geld) gespielt wird. Es ist hervorragend zum Einspielen geeignet, fürs Schießen aber auch fürs Legen. Zwei Spieler spielen jeweils gegeneinander, nach den uns bekannten Pétanque-Regeln, mit zwei Änderungen. An Stelle des Cochonets verwenden wir eine gut sichtbare Münze, die zu Beginn auf eine Distanz von 3 bis 5 Metern geworfen wird. Meist wird bei diesem Spiel nur die erste Kugel gelegt, den restlichen Spielverlauf bestimmt die Treffer- bzw. die Carreau-Quote. Entscheidend ist oft auch, bei einem Fehlschuß eine gute Kugel 'devant' zu legen, um größere Punktverluste zu vermeiden.



Ballern macht Spaß


Gegenschießen
Ein Mannschaftsspiel, das alle Distanzen beinhaltet und von Anfang bis Ende spannend bleibt. Eine wirklich gute Schießübung mit Pepp, gerade richtig für die Jugend. Malen Sie ein Spielfeld der nachfolgend genannten, altersangepaßten Größen.
Minimes: ca. 10 bis 11 m lang, 4 bis 5 m breit
Cadets : ca. 12 bis 14 m lang, 4 bis 5 m breit
Juniors: ca. 15 bis 16 m lang, 4 bis 5 m breit
In die Mitte des Feldes wird eine Kugel gelegt, auf die die beiden Mannschaften abwechselnd von der Grundlinie aus schießen. Ziel ist es, die Kugel über die gegnerische Grundlinie zu treiben. Das kann mit einem satten Schuß passieren, meist geht die Kugel x-mal hin und her, bevor eine Mannschaft den Punkt markieren kann. Nach jedem Punkt wird die Kugel wieder in die Mitte (Anfangsposition) gelegt. Wenn die Kugel in das Seitenaus geht, wird sie wieder in der Mitte des Feldes plaziert, und zwar in der Höhe, in der sie das Feld verlassen hat. Spielen Sie am Anfang auf eine gewisse Zeit (ca. 10 bis 15 Minuten). Gewonnen hat wer die meisten Punkte erspielt hat. Wenn die Kinder in der Trefferquote schon sicherer sind, können Sie auch bis zum Erreichen einer vorgegebenen Punktzahl spielen lassen. Ein guter Nebeneffekt: Die Spieler stehen sich gegenüber und können sich so gut gegenseitig beobachten und sich auf eventuelle Haltungs- oder Wurffehler aufmerksam machen.


Eiskugel-Spiel
Dieses Spiel ist im Sommer fast immer der Abschluß unseres Trainings. Jede Altersgruppe schießt auf die für sie größte Distanz. Es werden zwei Kugeln hintereinander gelegt, und zwar mit einer Kugelbreite Abstand. Getroffen werden muß die hintere Kugel - und zwar au fer und ohne die andere Kugel zuerst zu treffen. Wer dies schafft, erhält einen Gutschein über eine Kugel Eis aus einer örtlichen Eisdiele. Wenn die "Eiszeit" vorrüber ist, gibt's für jeden Treffer einen Fünfziger. Eine Variante zur oben genannten Schießübung ist folgende: legen Sie, wieder auf größtmögliche Entfernung, drei Kugeln nebeneinander, Abstand wieder eine Kugelbreite. Getroffen werden muß die mittlere, und zwar sauber ohne Konter auf die beiden anderen. Ziehen Sie ca. 50 cm vor den Kugeln eine Linie (noch besser ist ein Besenstil o. ä.). Kugeln die davor aufsetzen oder den Stock bewegen sind ungültig.


Bilder-Schießen
Für Kinder, die über das Anfängerstadium hinaus sind, eine hervorragende Übung für sicheres Treffen und spielbezogene Aktionen. Ihrer Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt - definieren Sie aber zu Beginn jeweils ganz genau welche Kugel wann und wie getroffen werden soll: voll drauf oder am Ohr, flach auf geeignetem Boden oder im schönen Bogen auf eine Hintere, ein "Nest" aufräumen oder per Konter zwei oder mehr Kugeln treffen ...



Noch ein paar Tips

Wenn Sie auf Ihrem Terrain eine Bank haben, durch deren Rückenlehne man einigermaßen durchsehen kann, ist dies ein gutes Hilfsmittel für die Einübung eines guten Wurfbogens. Zeichnen Sie den Kreis ca. 4 bis 6 m vor der Bank und legen Sie die zu treffende Kugel ca. 2 bis 3 m hinter die Bank. Und los geht's! Bei dieser Übung wird durch die etwas behinderte Sicht die Konzentration auf die Distanz und auf den Wurfbogen enorm gesteigert.



Tire à la raffle

Wenn auch viele darüber lächeln, vergessen Sie nicht auch den Flachschuß zu trainieren, also à la raffle. Eine der typischen Spielsituationen: extrem lange Distanz, Kugel 10 cm vor, neben oder hinter der Sau. Mit einem guten Flachschuß (und im Kopf mit dem festen Willen, Kugel oder Sau zu treffen) läßt sich diese Situation oft sicher bereinigen. Auch die Sau läßt sich auf diese Art leicht ins Aus befördern, wenn dies aus taktischen Gründen zwingend erforderlich ist. Unser Vize Hubert Arians betreibt dies ja gern mit Perfektion.
Bei vielen Kindern stehen Schießer und Schießen höher im Kurs als Legen. Wie spielentscheidend die gut gelegte erste Kugel oft ist, läßt sich mit diesem kleinen Spiel zeigen, das ich oft als Abschluß eines Schlußtrainings machen lasse.

Wenn Sie einen Leger gegen einen Schießer spielen lassen, wird dieser sich enorm anstrengen müssen, um zu gewinnen. Gespielt wird auf die altersmäßig festgelegten Distanzen. Der "Leger" spielt genau nach den Pétanque-Regeln und hat freie Wahl, ob er legt oder schießt, der "Schießer" darf in jeder Aufnahme nur eine Kugel legen, mit zweien muß er auf jeden Fall schießen. Ob er die erste, zweite oder dritte Kugel legt, bleibt ihm überlassen. Wenn zwei Schießer gegeneinander spielen, wird nach jeder Aufnahme gedreht. Die neue Aufnahme beginnt dann immer der "Leger", egal wer die Punkte in der letzten Aufnahme gemacht hat.



Die richtige Taktik

Diese kleine Fibel ist nicht der Platz, um Großes über die Taktik zu schreiben. Da wurde schon viel von berufenen Schreibern verfaßt. Dennoch möchte ich hier ein paar Denkanstöße geben, die für Ihre Jugendarbeit wichtig sein können.
Taktik beginnt mit dem Wurf der Zielkugel. Es kann spielentscheidend sein, auf welche Distanz und auf welchem Terrain die Sau zum liegen kommt. Deshalb sollte das Werfen der Zielkugel beim Training nicht vernachlässigt werden.

Kurz eine kleine Übung. Zeichnen Sie im Abstand von 6 bis 10 Metern ca. 30 cm große Kreise auf den Boden - in ganz unterschiedliche Richtungen und lassen Sie die Zielkugel in die Kreise plazieren. Gefühl ist angesagt! Daß der Schießer die Sau wirft, ist auch ein Ammenmärchen. Dies ist Aufgabe des Legers, der sich "sein" Terrain aussucht und dann die Sau auf die Lieblingsdistanz seines Schießers wirft.

Am meisten lernen Ihre Kinder über Taktik bei jedem Turnier - man muß nur die Augen offen halten. Ein großes Plus für jeden jungen Spieler ist es, wenn er ein Turnier mit einem guten, erfahrenen Spieler machen kann. Vielleicht schaffen Sie es in Ihrem Verein, von Zeit zu Zeit kleine Turniere zu veranstalten, bei denen ein Erwachsener jeweils mit einem Jugendlichen spielt. Aber passen Sie auf, daß von den Großen durch ihre "Schlamper-Fehler" nicht viel kaputtgemacht wird, was Sie in Ihrem Training mühsam aufgebaut haben: z. B.

letztes Loch schließen
ungültig plazierte Zielkugel per Fußtritt vor oder zurückbefördern
das Spiel nicht nur aus den Kreis betrachten
erst mal eine legen ...
Eine gute Übung im Training selbst ist folgende: Bilden Sie, je nach Anzahl der Kinder, eine Doublette- oder Triplette-Mannschaft. Die restlichen Kinder schauen zu. Jeder Spieler sagt nur, bevor er die Kugel spielt, was er genau vorhat (eine Kugel davor, in den Konterbereich legen, Sau schleppen, für den Punkt schießen usw.). Die zuschauenden Kinder dürfen dann Ihre Meinung mit einbringen und erst dann wird gespielt. Sie als Trainer kommentieren nach jeder Kugel das Ergebnis. Natürlich wird nach drei bis vier Aufnahmen immer wieder gewechselt zwischen zuschauen und spielen. Gut und beliebt ist auch immer das Nachstellen von typischen Spielsituationen. Rufen Sie die Gruppe zusammen und lassen Sie den nächsten Spielzug diskutieren. Es werden immer unterschiedliche Meinungen vorkommen, ist ja auch abhängig vom Spielertyp. Lassen Sie dann die verschiedenen Lösungsvorschläge ausführen und besprechen Sie die Ergebnisse. Falls notwendig, können Sie von mir gerne eine kleine Sammlung solcher "Bilder" erhalten.

Eine nette Geschichte hierzu. Da ich diese Spielsituation immer gern im Training eingebaut habe, hat mir einer aus der Jugendgruppe eine winterfeste Variante gebaut. Etwa im Maßstab 1:3 baute er ein Spielfeld, schön mit Umrandung, den Boden wie bei der Modellbahn aufgeklebt, dazu sechs helle und dunkle Minimetall-Kugeln und vier Playmobilmännchen. Ein nettes Geschenk, über das ich mich sehr gefreut habe.



Immer wieder neue Ideen

Zum Schluß noch eine kleine Auflistung der Themen, die Sie in Ihrem Training nach und nach theoretisch erarbeiten und praktisch üben sollten.

  • Die Wahl des Spielfeldes (wenn nicht ausgelost wird)
  • Einschätzung des Gegners - ist er überlegen, unterlegen, gleichwertig - ist er unbekannt
  • Der Zielkugel-Wurf - denken Sie daran, daß Sie drei Versuche haben
  • Der Zeit- und Kugelvorteil - ein wichtiger Faktor beim Pétanque
  • Die verschiedenen Spielphasen - Anfangsphase von 0 bis 7 Punkten - mittlere Phase von 8 bis 9 Punkten - Endphase von 10 bis 13 Punkten
  • Legen oder Schießen - die unendliche Geschichte der Temperamente



Das Auftreten als Mannschaft

Wer einmal ein Spiel von Canal + in Frankreich angeschaut hat oder bei großen französischen Turnieren die Augen offen hatte, versteht bestimmt was ich damit meine. Eine erfolgreiche Mannschaft zeigt dies auch optisch. Da wird jede Aktion gemeinsam besprochen (nicht minutenlang zerredet), gemeinsam schreiten die Spieler zum Ort des Geschehens, bei einem Schuß wird der Gegner durch die eigenen Leute abgeschirmt, gute Aktionen werden gelobt (ein Händepatschen nach guten Kugeln nervt jeden Gegner) bei mißratenen Kugeln wird der Partner aufgebaut (keiner spielt absichtlich schlecht). Und eine einheitliche Kleidung unterstützt positiv dieses Mannschaftsbild.



Das psychologische Spiel

Neben Technik und Taktik beeinflußt noch ein drittes Element das Pétanque-Spiel nicht unerheblich: das psychologische Spiel. Es wird geprägt von Verhaltensweisen und Äußerungen, die allesamt in das Spielgeschehen einfließen können. Auch hiervon nun eine kleine Stichwortliste.

Zuschauerunterstützung - viele Spiele brauchen "ihr" Publikum - andere machen ihr Cinema

der eigene Spielrhythmus - stören des gegnerischen Spieles - das Spielen auf Zeit

die gegnerische Ruhe stören - schimpfen, klagen, Glück und Pech - den Gegner loben und so zu risikoreichem Spiel verleiten - kleine Bemerkungen zum Partner (die der Gegner aber hören soll)

die Funktion des Kapitäns - motiviert, verbal verbessern - Selbstvertrauen stärken

All diese Kapitel, die ich hier nur kurz gestreift oder angerissen habe, sind nicht spezifisch für die Jugendarbeit und gelten für alle Boulespieler. Wer hierzu mehr wissen möchte, hat jetzt auch die Möglichkeit, den C-Trainer-Schein zu machen. Bei diesem Lehrgang werden alle allgemeingültigen Themen ausführlich behandelt. Nähere Auskünfte gibt es bei der DPV-Geschäftsstelle oder direkt bei Hubert Arians.


Schlusswort


In meiner Funktion als DPV-Jugendwart werde ich immer wieder angesprochen, ob es nicht irgendwelche Unterlagen über ein spezielles Training für die Jugend gibt.
Außerdem wurde ich schon oft gefragt, wie wir es in unserem Club geschafft haben, so viele Kinder zu haben (deren Eltern nicht Boule spielen) und die als Ligamannschaft sogar den Aufstieg schafften, habe ich mich entschlossen, meine Erfahrungen in dieser kleinen Fibel festzuhalten. Sie soll gleichzeitig eine Einladung an alle Jugendwarte in den Vereinen und auf Landesebene sein, eigene Erfahrungen mit einfließen zu lassen, damit dieses kleine Heft immer lebendig bleibt und die Jugendarbeit in der Pétanque-Szene doch einen höheren Stellenwert bekommt, nicht nur in der Spitze sondern auch etwas in die Breite. Ich bin dankbar für Anregungen und nehme neue Ideen gerne für weitere Neuauflagen auf.

Altersstufen 2010

Minimes:

1999 und jünger

Cadets:

1996 - 1998

Juniors:

1993 - 1995

Espoirs:

1988 - 1992

Ü55:

1955 und älter